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Metaxmeste phrygialis, Gaisbergtal (Tirol), August 2021 (© Matthias Nuß)

GlobIZ: 20 Jahre digitales Wissen über Zünslerfalter

Ein globales Informationssystem feiert Jubiläum

Das Globale Informationssystem Zünslerfalter (GlobIZ) feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Seit zwei Jahrzehnten unterstützt die webbasierte Datenbank Forschende weltweit bei der Erfassung, Recherche und wissenschaftlichen Einordnung von Zünslerfaltern.

Zünslerfalter, wissenschaftlich als Pyraloidea bezeichnet, kommen auf der ganzen Welt vor. Sie besiedeln unterschiedlichste Lebensräume: von Wüsten und Meeresküsten bis hin zu subpolaren Regionen und alpinen Gebirgslagen. Die meisten Arten erreichen eine Flügelspannweite von 10 bis 30 Millimetern. Einige Arten liegen unter oder über diesem Bereich.

Die meist nachtaktiven Falter besitzen ein Tympanalorgan. Damit nehmen sie die Ultraschalllaute von Fledermäusen wahr und können ihren wichtigsten natürlichen Feinden ausweichen.

Auch ökologisch zeigt sich die Vielfalt dieser Schmetterlingsgruppe. Zünslerfalter leben in nahezu allen terrestrischen Lebensräumen. Die Larven einiger Arten entwickeln sich sogar im Wasser. Je nach Art ernähren sie sich von Flechten, Moosen, Farnen, Nadelbäumen oder Bedecktsamern. Andere leben als Schmarotzer in Hummelnestern oder jagen Blattläuse.

Die Herausforderung: Ein vollständiger Artenkatalog fehlte

Um die Jahrtausendwende gingen Wissenschaftler weltweit von rund 12.000 wissenschaftlich beschriebenen Zünslerfalterarten aus. Ein vollständiger, zentraler Katalog fehlte jedoch. Das erschwerte die Forschung und den Austausch zwischen den Fachleuten.

Viele Forschende pflegten eigene Datenbestände auf Karteikarten oder am Computer. Arbeitsgruppen in den USA, Großbritannien, Deutschland und China bauten zwar umfangreiche Kataloge auf. Doch keine dieser Sammlungen deckte alle bekannten Arten ab.

Dadurch fehlte eine gemeinsame Grundlage für die Forschung. Wissenschaftler konnten Informationen nur mit erheblichem Aufwand zusammenführen und abgleichen. Zudem kam es vor, dass Fachleute dieselbe Art mehrfach beschrieben und unterschiedliche Namen vergaben.

Die Lösung: Eine gemeinsame Datenbank für die Forschung

Aus dieser Herausforderung entstand die Idee einer zentralen SQL-Datenbank. Forschende aus aller Welt sollten ihre Daten eintragen und gemeinsam einen umfassenden Artenkatalog aufbauen können.

Die Grundlage schufen Dr. Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung München und Dr. Matthias Nuß vom Senckenberg Museum für Tierkunde in Dresden. Sie entwickelten zunächst eine Datenbank auf Basis von MS Access. Anschließend überführte die Kunert Business Software GmbH das System in eine webbasierte SQL-Datenbank.

So entstand GlobIZ, das sich zu einem internationalen Referenzsystem für Zünslerfalter entwickelte.

Für jede wissenschaftlich beschriebene Art erfasst das Informationssystem zentrale Angaben. Dazu gehören der wissenschaftliche Name, die verwandtschaftliche Zuordnung, der geografische Fundort und die Literaturquelle der Originalbeschreibung.

Ein jährlicher Newsletter mit dem Titel Pyraloid Planet informiert zudem über aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen rund um die Zünslerfalter.

Die Entwicklung: Mehr als 16.700 erfasste Arten

Die Datenbank hat sich seit ihrer Einführung deutlich weiterentwickelt. Ende 2022 verzeichnete GlobIZ bereits 16.723 Zünslerfalterarten. Damit übertraf die tatsächliche Artenzahl die Schätzungen, die Forschende zwei Jahrzehnte zuvor aufgestellt hatten.

Das System erfasst außerdem insgesamt 26.895 Namen. Diese Zahl umfasst auch Synonyme, also unterschiedliche wissenschaftliche Namen für dieselbe Art, sowie weitere nomenklatorische Einträge.

GlobIZ ordnet jede Art einer Gattung und jede Gattung einer Familie zu. Die Datenbank dokumentiert zudem Namensänderungen und verwandtschaftliche Zuordnungen. So behalten Forschende auch bei einer großen Zahl von Arten den Überblick.

Das Herzstück: Die Namenssuche

Die Namenssuche bildet das Herzstück von GlobIZ. Sie liefert zu einem gesuchten Namen einen detaillierten Taxonreport. Dieser enthält einen synonymischen Katalog mit den zugehörigen Literaturangaben.

Der Report dokumentiert unter anderem:

  • Originalbeschreibungen: Die wissenschaftlichen Quellen, in denen Forschende eine Art erstmals beschrieben haben.
  • Gattungswechsel: Änderungen bei der Zuordnung einer Art zu einer Gattung.
  • Synonymisierungen: Fälle, in denen mehrere Namen zur selben Art gehören.
  • Aktueller taxonomischer Status: Die derzeitige wissenschaftliche Einordnung eines Namens und seine verwandtschaftlichen Beziehungen.

Damit erhalten Forschende innerhalb weniger Minuten einen umfassenden Überblick über den aktuellen Wissensstand. Sie können Informationen gezielt für Forschungsprojekte nutzen und neue Erkenntnisse in die Datenbank einbringen.

Fazit: Eine wichtige Grundlage für die internationale Forschung

Seit 20 Jahren erleichtert GlobIZ die wissenschaftliche Arbeit mit Zünslerfaltern. Die zentrale Datenbank führt Informationen aus aller Welt zusammen und schafft eine gemeinsame Grundlage für Forschung, Vergleich und Austausch.

Die Zusammenarbeit der Wissenschaftler mit der Kunert Business Software GmbH zeigt, wie digitale Lösungen die Forschung unterstützen können. Mit seiner umfangreichen Datenbasis und der leistungsfähigen Namenssuche bleibt GlobIZ ein wichtiges Werkzeug für die Erforschung dieser vielfältigen Schmetterlingsgruppe.

Das Globale Informationssystem Zünslerfalter (GlobIZ) ist unter der URL www.pyraloidea.org zu finden.

Metaxmeste phrygialis, Gaisbergtal (Tirol), August 2021 (© Matthias Nuß)
Metaxmeste phrygialis, Gaisbergtal (Tirol), August 2021 (©Matthias Nuß)
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